Projektmanagement in der Technischen Ausrüstung (TGA)

#6 Inbetriebnahmemanagement

Inbetriebnahmemanagement (IBM) entscheidet darüber, ob ein Gebäude vom ersten Tag an funktioniert – oder ob Schnittstellen-Chaos, fehlende Abstimmung und teure Nacharbeiten den Projektstart dominieren. Die VDI 6039 gibt dafür einen klaren Rahmen vor: Gewerkeliste aufstellen, Gewerkebeziehungsmatrix erarbeiten, Schnittstellenkatalog ableiten.

Unser interaktives Workshop-Tool unterstützt Sie dabei, einen strukturierten IBM-Workshop mit TGA-Fachplanenden und dem Facility Management des Bauherrn durchzuführen. Es basiert auf der VDI 6039:2011-06 und enthält:

  • Workshop-Agenda mit 7 Blöcken und konkreten Methoden
  • Editierbare Gewerkeliste mit 43 vordefinierten Anlagensystemen nach KG 300–500
  • Interaktive Gewerkebeziehungsmatrix – vorausgefüllt nach VDI 6039 §6.1.2
  • IBM-Phasenmodell von LPH 3 bis LPH 9
  • IBM-Konzept-Gliederung als Ergebnis-Dokument

Alle Daten sind direkt im Tool editierbar – passen Sie Gewerke, Anlagen und Beziehungen an Ihr Projekt an.

Anleitung: So nutzen Sie das Tool

Tab 1: Workshop-Agenda

Klicken Sie auf einen der 7 Workshop-Blöcke, um die Detail-Ansicht mit Inhalten, Methoden, Verantwortlichkeiten und erwarteten Ergebnissen aufzuklappen. Die Gesamtdauer beträgt ca. 5 Stunden.

Tab 2: Gewerkeliste

Hier finden Sie 10 Gewerke mit 43 Anlagensystemen, klassifiziert nach Komplexität (A/B/C) und IBM-Relevanz (hoch/mittel/gering). Klicken Sie auf ein Gewerk zum Aufklappen und auf eine Anlage zum Bearbeiten. Sie können Gewerke und Anlagen hinzufügen, umbenennen oder entfernen.

Tab 3: Beziehungsmatrix

Die Matrix wird automatisch aus der Gewerkeliste abgeleitet (VDI 6039 §6.1.2). Sie ist mit 31 typischen Beziehungspaaren vorausgefüllt:

  • I – Information / Datenübergabe
  • S – Steuerung / Regelung
  • V – Verriegelung / Sicherheit
  • H – Hydraulische Kopplung
  • P – Physische Schnittstelle

Klicken Sie auf eine Zelle, um den Beziehungstyp durchzuschalten. Kritische Schnittstellen (Steuerung/Verriegelung) werden automatisch rot hervorgehoben.

Tab 4: IBM-Phasen

Das Phasenmodell zeigt den Zusammenhang zwischen Workshop (LPH 3) und den weiteren IBM-Aktivitäten in LPH 5, 8 und 9.

Tab 5: IBM-Konzept

Die Gliederung für das Ergebnis-Dokument des Workshops: Kapitel 1–3 werden im Workshop erarbeitet, 4–7 als Entwurf angelegt.


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Häufige Fragen (FAQ)

Was ist Inbetriebnahmemanagement (IBM) nach VDI 6039?

Inbetriebnahmemanagement ist ein koordinierender Prozess mit dem Ziel, die Gesamtfunktionalität eines Gebäudes durch planerische und organisatorische Maßnahmen während der Planung, Errichtung und des Betriebs sicherzustellen. Die VDI 6039 beschränkt sich dabei auf die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) in den Kostengruppen 400 und 500 nach DIN 276. Im Gegensatz zur reinen Einzelinbetriebnahme betrachtet IBM das gewerkeübergreifende Zusammenspiel aller Anlagen – von der Brandfallsteuerung bis zum hydraulischen Abgleich.

Wann sollte man mit dem Inbetriebnahmemanagement beginnen?

Die VDI 6039 empfiehlt, mit der Grundlagenermittlung des IBM spätestens nach Abschluss der Vorplanung (LPH 2) zu beginnen. Der ideale Zeitpunkt für den ersten IBM-Workshop ist das Ende der Entwurfsplanung (LPH 3) nach dem Design Freeze, weil zu diesem Zeitpunkt alle TGA-Systeme definiert sind und noch Einfluss auf die Ausschreibung genommen werden kann. Das IBM begleitet das Projekt dann über die Ausführungsplanung (LPH 5), die Bauüberwachung (LPH 8) bis zum Ende der Sachmängelhaftung in LPH 9.

Was ist eine Gewerkebeziehungsmatrix?

Die Gewerkebeziehungsmatrix ist ein zentrales Werkzeug des IBM nach VDI 6039. Sie veranschaulicht, inwieweit einzelne TGA-Gewerke zueinander in Verbindung stehen. In der Matrix werden Beziehungstypen wie Steuerung/Regelung, Verriegelung/Sicherheit, hydraulische Kopplung, Information/Datenübergabe und physische Schnittstellen dargestellt. Die Matrix wird im Projektverlauf fortgeschrieben und in LPH 5 zum detaillierten Schnittstellenkatalog weiterentwickelt, der Zuständigkeiten und notwendige Aufgaben der einzelnen Beteiligten definiert.

Was ist der Unterschied zwischen Gewerkebeziehungsmatrix und Schnittstellenkatalog?

Die Gewerkebeziehungsmatrix benennt, dass es Schnittstellen zwischen Gewerken gibt und welcher Art diese sind (z. B. Steuerung, Verriegelung, hydraulisch). Der Schnittstellenkatalog ist die Fortschreibung und Detaillierung der Matrix: Er beschreibt die Schnittstellen im Detail und regelt die Zuständigkeiten – also wer muss etwas tun, bis wann und mit welchen Mitteln. Die Matrix entsteht in LPH 3, der Schnittstellenkatalog wird in LPH 5 daraus abgeleitet.

Wer ist der Inbetriebnahmemanager?

Der Inbetriebnahmemanager ist die verantwortliche Person für die Umsetzung des IBM mit fachübergreifenden Kompetenzen. Laut VDI 6039 kann diese Rolle von einem TGA-Fachplaner, einem Facility-Manager, einem Projektsteuerer oder einem spezialisierten Dienstleister übernommen werden. Je komplexer das Projekt, desto wichtiger ist es, das IBM als separate Leistung im Rahmen der Bauherrenaufgabe zu vergeben. Der IBM-Manager erhält Befugnisse zur Festlegung von Anforderungen, zur Mängelanzeige und zur Koordination der gewerkeübergreifenden Inbetriebnahme.

Welche Gewerke gehören zum Inbetriebnahmemanagement?

Die VDI 6039 bezieht sich primär auf die TGA-Gewerke in den Kostengruppen 400 (Technische Anlagen) und 500 (Außenanlagen und technische Anlagen) nach DIN 276. Typische Gewerke sind: Sanitärtechnik (SAN), Heizungstechnik (HZG), Kältetechnik (KLT), Raumlufttechnik (RLT), Elektrotechnik (ELT), Fernmelde- und Informationstechnik (IuK), Aufzugs- und Fördertechnik (AFL), Sicherheitstechnik (BMA, ELA, EMA, ZTK, RWA, SIM, FLS) und Gebäudeautomation (GA/MSR). Verknüpfungen zur Baukonstruktion (KG 300) – z. B. Fassade/Sonnenschutz und Brandschutztüren – werden im Einzelfall einbezogen.

Was ist ein Black Building Test?

Der Black Building Test ist eine Funktionsprüfung, bei der die gesamte Stromversorgung eines Gebäudes abgeschaltet wird, um die Verfügbarkeit der Ersatzstromversorgung (NEA/USV) und das korrekte Verhalten aller angeschlossenen Verbraucher zu prüfen. Laut VDI 6039 gehört dazu die Prüfung der GA-Protokollierung (Alarmstatus), die Überprüfung des Wiederanlaufverhaltens bei Netzwiederkehr und die Funktionsprüfung sicherheitsrelevanter Anlagen wie Sicherheitsbeleuchtung und Aufzug-Evakuierungsfahrten.

Welche Rolle spielt die Gebäudeautomation (GA) im IBM?

Die Gebäudeautomation hat eine zentrale Schnittstellenrolle im IBM, da sie nahezu alle anderen TGA-Gewerke über Steuerung, Regelung und Überwachung verbindet. In der Gewerkebeziehungsmatrix hat die GA deshalb typischerweise die meisten Beziehungen. Kritische Funktionen wie Einzelraumregelung (HZG + KLT + RLT + Sonnenschutz + Licht), Brandfallsteuerung (BMA → GA → alle Gewerke) und Energiemanagement (Lastabwurf) laufen über die GA. Der GA-Planer ist deshalb eine Schlüsselrolle im IBM-Workshop.

Muss das IBM vertraglich vereinbart werden?

Ja. Die VDI 6039 weist ausdrücklich darauf hin, dass Art und Umfang der im Rahmen des IBM zu erbringenden Leistungen vertraglich geregelt sein müssen. Gewerkeübergreifende Abnahmeprüfungen sind in der VOB nicht explizit aufgeführt, werden aber dringend empfohlen. Sie sollten bereits in der Ausschreibung berücksichtigt werden, um Streitigkeiten zu vermeiden. Das Inbetriebnahmekonzept aus LPH 3 dient als Grundlage für vertragliche Ergänzungen in den Bauverträgen (LPH 5).

Wie lange dauert ein IBM-Workshop?

Ein strukturierter IBM-Workshop am Ende der LPH 3 dauert typischerweise einen halben bis ganzen Arbeitstag (ca. 5 Stunden). Unser Tool gliedert den Workshop in 7 Blöcke: Einführung (30 Min), Gewerkeliste (45 Min), Gewerkebeziehungsmatrix (90 Min – der Kernblock), IBM-Phasen (45 Min), Rollen und Verantwortlichkeiten (30 Min), Prüfkonzept (30 Min) und Abschluss (30 Min). Bei komplexen Projekten kann der Matrix-Block auch auf zwei Termine aufgeteilt werden.

Ist die VDI 6039 rechtlich verbindlich?

VDI-Richtlinien haben grundsätzlich den Charakter von Empfehlungen – ihre Anwendung ist freiwillig. Die VDI 6039 gilt jedoch als anerkannte Regel der Technik und kann vertraglich vereinbart werden. Wird sie Bestandteil eines Vertrags, sind ihre Vorgaben verbindlich. Auch ohne explizite Vereinbarung kann sie als Maßstab für einwandfreies technisches Vorgehen herangezogen werden, insbesondere wenn es um die Beurteilung der Sorgfaltspflicht bei der gewerkeübergreifenden Koordination geht.

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